Sonntag, 8. März 2009

Kritik Vorarlberger Nachrichten

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Bis zur Glückseligkeit gejuchzt


Projekttheater dreht so groß auf wie noch nie – zum Gaudium des Publikums.

Christa Dietrich

Feldkirch (VN) Gut, Brecht und Weill (vor allem Weill), die konnten schon etwas und so gesehen nimmt ihre „Dreigroschenoper“ – entstanden nach der Auseinandersetzung mit John Gay`s 300 Jahre alter „Bettleroper“ – zu Recht den hervorragenden Platz in der Theatergeschichte ein. Wer allerdings sieht, was das Projekttheater Vorarlberg nun mit Gay treibt, der kommt rasch zum Schluß, dass über Mackie Messer bzw. Macheath, Polly, Lucy und Peachum bis zum Premierenabend am Donnerstag im Alten Hallenbad in Feldkirch noch lange nicht alles gesagt war.

Verdichtung

Und dass man kein Orchester und auch kein Kammerensemble braucht, wenn man mit Gerhard Gruber einen Komponisten hat, der den Schauspielern Juchzer und Schluchzer auf die Kehle schreibt und dazu in seiner Percussionskammer alle Töne und Melodien erzeugt, um das wilde Treiben entsprechend zu untermalen oder gar zu tragen, steht zudem gleich einmal fest.
Ausstatterin Marie Luise Lichtenthal geht ähnlich vor: Alle Kostüme, die sich während des zwanzigjährigen Projekttheaterbetriebes angesammelt haben (und noch einige mehr), scheinen den Bühnenberg zu bilden, auf dem gekraxelt, gesuhlt, gefeilscht und gemordet wird. Verdichtung lässt sich wohl kaum augenscheinlicher versinnbildlichen, der Zustand der Gesellschaft wohl auch nicht.
Die „Bettleroper“ handelt von denen da unten, die ein getreues Abbild von denen da oben (die sie vor der Krise vielleicht noch waren) ergeben. Damit das alles nicht zur Fratze verkommt, braucht es die ordnende Hand. Regisseurin Susanne Lietzow liefert sie und sie lässt ihre Schauspieler Peter Badstübner, Margarete Tiesel, Sandra Bra, Sebastian Pass, Dietmar Nigsch, Nadja Brachvogel, Martin Horn, Martina Spitzer und Maria Hofstätter so schrill aufspielen wie nur möglich und so ernst erscheinen, dass der Überlebenskampf nie, wirklich nie, dem bunten Gesamtbild geopfert wird.

Feinarbeit

Dem jubelnden Publikum wird der Spaß freilich nicht ausgetrieben. Und dennoch, konzentrierte Feinarbeit stellt unmissverständlich klar, dass man sich hier ebenso in die Glückseligkeit juchzt wie in den Tod.

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